El Capricho 48 Calle de Alcala esquina Cedaceros

In den letzten Monaten haben mein Neffe Russell und ich eine neue Webseite für mich erstellt – sie ist schon fast fertig.

Auf einmal kann ich viele meiner Bilder gleichzeitig anschauen.

Weiblichkeit scheint wiederkehrend Thema zu sein.

In meinen früheren Bildern tritt diese Eigenschaft meistens nur als Teil eines Gegensatzpaares auf.

Kein  Weib ohne Mann,

beide verkörpert im Bild durch jeh eine menschliche Figur oder Tier,

oft ein Hund.

Abgesehen davon, daß meine Werkgruppen ineinanderzufließen beginnen,

nicht mehr programmatisch getrennt sind,

wird die alte Frage jetzt von dieser Dualität entkoppelt.

Die Representanten der Eigenschaften, männlichen und weiblichen, werden nicht mehr durch verschiedene Personen verkörpert,

die Eigenschaften selbst sind Personen geworden.

Menschen sind aus meinen Bildern verschwunden, tauchen vielleicht noch als Porzellanfiguren auf.

Stattdessen ist ein buntes Volk von Dingen und Tieren eingebrochen

manchmal ergießen sie sich kaskadenartig über die Leinwand.

Anfänglich haben sie sich noch an das Raumveständnis klassischer Stillleben gehalten, spätestens seit “Schelmengarten” ist alles scheinbar aus dem Ruder gelaufen –

der Raum, die Dinge und ihre Symbolik, alles kann auch das Gegenteil bedeuten.

Kleider fliegen durch die Luft, versinken in Wasser oder verflüssigen sich, werden zu Wolken oder Wolken zu Kleidern.

Wasservögel, Frösche tummeln sich im Wasserrock

im Hintergrund eine Zirkustruppe, für die diese Landschaft eine willkommene Bühne bietet.

Und doch sehe ich mich auch jetzt gewissen Traditionen folgen.

Ursprünglich hat man mit “Capriccio” (die italienische Schreibweise jetzt mal)

ein Bild bezeichnet, dessen Raum hauptsächlich durch Ruinen,

oder Teile davon, aufgebaut ist.

Meine Räume werden durch Kleider dargestellt, ich verwende

Kleider oder schöne Fetzchen wie Gebäude, Säulen, Terrassen, aber es sind historische Kleider, also schöne Ruinen.

Es sind Kleider aus dem Metropolitan Museum und wurden von der Designerin Lucile Duff Gordon in den 20iger Jahren des 20igsten Jhs. entworfen

Sie selbst gehört außerdem zu den wenigen Menschen, die den Untergang der Titanic überlebt haben – irgendwie verdichtet dieser Umstand ihren Nachlass und vielleicht drängt es mich daher,  sie in Flüssigkeiten zu tauchen.

Gott soll abhüten, ich möchte mich nicht mit Canaletto, Piranesi, Tiepolo oder -ganz zu schweigen, mit Goya vergleichen – Künstler, die Caprichos geschaffen haben,

aber zu ihnen hinaufzuschauen ist herzerwärmend.

 Ah, da fällt mir Antoni Gaudis witzige Villa El Capricho vor Barcelona ein!

Bei meiner Beschäftigung mit Stoffen, Kleidern, Federn und Schuhen, Weiblichkeiten aller Art, fällt mir das Geschäft meiner Urgroßeltern in Madrid und meine Großmutter Matilde Padròs Rubió ein.

 

Sie war die erste Frau, die an einer spanischen Universität studiert und das Studium 1893 mit einem Doktortitel, und zwar mit Auszeichnung, abgeschlossen hat.

Als Matilde inskribierte, konnten 9 von 10 Frauen, die im Geschäft ihres Vaters einkauften, weder lesen noch schreiben.

Das Geschäft hieß El Capricho und befand sich auf der Calle de Alcala 48, noch heute eine der zentralen Straßen Madrids.

Es war auf Damenmoden spezialisiert.

Nachdem Matilde ihren Doktortitel erhalten hatte war es aber klar, daß ihr Vater Timoteo von seiner Tochter erwartete, im Geschäft tätig zu werden.

Von da an führte sie nicht nur die Buchhaltung, sondern fuhr regelmäßig nach Paris um Werkspionage zu betreiben und die neuesten Modelle der Pariser Damenmoden zu zeichnen.

Zurück in Madrid wurden sie nachgenäht.

Nachdem El Capricho Anfang des 20igsten Jahrhunderts zusperren musste, eröffne ich es jetzt in Innsbruck mit meinen Bildern wieder.

Hier kann ich meine Kleiderfragmente mit ihren Maschen, Falten und Rissen ausbreiten –

 zum Teil schon etwas zerschlissen,

ein kleiner Schlapfen, geformt wie ein Kahn, mit Katzengras gefüllt,

ein Kleid als Garten,

Vögel mit ihren Federn und Schnäbel,

pelziges Getier.

Eulen, von denen es heißt, sie lockten andere Vögel vor die Flinten der Jäger…

Ich weiß nicht, ob das wiedereröffnete Geschäft meinen Vorfahren zur Ehre gereichen wird,

aber sie sind alle nicht mehr.

Wer soll da richten.

Alicia Sancha

El Capricho

parque_del_capricho Madrid
parque_del_capricho Madrid
Antoni Gaudi
Antoni Gaudi

 

red Lucille dress
red Lucille dress

 

 

 

 

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